DER  BRUDER
 

Friedrich "Frédéric" BURGMÜLLER (1806-1874)

 
       Friedrich Burgmüller wurde am 4. Dezember 1806 in Regensburg als zweiter Sohn (der einzige
       Nichtmusiker der Familie war der älteste Sohn Franz, geboren 1804 und verstorben 1830, der
       eine Laufbahn als Militär durchlief)  von August und Therese Burgmüller geboren. Er wuchs in
       Düsseldorf auf und scheint die Eltern frühzeitig durch Stundengeben und Hilfe bei den
       Verpflichtungen des Vaters unterstützt zu haben. Nach dessen Tode bewarb er sich erfolglos
       um die Stelle des Vaters und verließ wohl um 1826 Düsseldorf, um sich in den folgenden
       Jahren im Raum Mühlhausen / Basel als Musiklehrer aufzuhalten. In Basel sind einige Konzerte
       als Cellist und vor allem als Pianist nachweisbar. Kompositorisch verfolgte er in jungen Jahren
       auch eine seriösere Richtung: so sind eine Quvertüre für Orchester und ein Chorwerk nach-
       weisbar, auch tragen die frühen Klavierwerke noch nicht den Stempel seichterer Unterhalt-
       ungsmusik. Ambitioniertestes Werk der frühen Jahre war wohl ein verschollenes Cellokonzert,
       dass Friedrich Burgmüller als Solist am Elsässischen Musikfest 1830 in Strassburg uraufführte.
       Schon bald danach scheint aber bei Friedrich ein Sinneswandel stattgefunden zu haben, der ihn
       ganz auf die leichte und instruktive Manier eines Franz Hünten einschwenken liess. Ab etwa
       1832 finden sich nur noch wenige originale Werke (hauptsächlich Romanzen und einzelne,
       brillante Klavierstücke; später dann die Ballettmusiken und die populären Etüden). Stattdessen
       begann Friedrich Burgmüller den Markt mit meist anspruchslosen, wenn auch sauber gear-
       beiteten Arrangements zu überschwemmen. Gegen 1834 liess er sich in Paris nieder und wurde
       eine Celebrität unter den klavierspielenden Dilettanten. Durch nicht ganz geklärte Protektion
       soll er auch Klavierlehrer der Kinder des Bürgerkönigs Louis Philippe gewesen sein.
     Als gesuchter Klavierlehrer wird er stattliche Honorare eingenommen haben. Diese sichere
     Position mag seinen Bruder Norbert veranlasst haben, mit dem Gedanken einer Übersiedlung
     nach Paris zu spielen. Das an äußerlichen Ereignissen arme Leben Friedrich Burgmüllers erlebte
     1841 mit der Uraufführung seines romantischen Ballettes "La Péri" einen Höhepunkt. Das Werk
     machte die Runde über die Bühnen Europas, während Burgmüller schon kurz zuvor zwei
     besonders beliebte Nummern zu Adolphe Adams Ballettklassiker "Giselle" beigetragen hatte.
 

 
Aus jener Zeit der grössten Erfolge (um 1845) stammt das einzige bekannte Porträt des
ausserordentlich publicityscheuen Friedrich Burgmüller, über dessen Leben trotz jahre-
langer, intensiver Suche nur wenig herauszufinden war.


Neben einer Unzahl von Arrangements (Opuszahlen von 1 - 113, dazu mehr als dreihundert
Stücke ohne Opuszahl) veröffentlichte der Pädagoge Friedrich Burgmüller vor seinen zu Recht
geschätzten Etüden auch eine Anzahl von Klavierschulen.


 
Wie eine Anzahl von persönlich gehaltenen Widmungen zu beweisen scheint (an Auber, Stephen Heller, Julius Schulhoff, Liszt und Thalberg), konnte sich Friedrich Burgmüller aber doch des Respektes seiner Berufskollegen erfreuen. Den Höhepunkt der kompositorischen Arbeit, und wohl ein Stückchen Unsterblichkeit, erlangte Friedrich Burgmüller mit seinen drei
Etüdensammlungen, die, nach technischem Anspruch aufsteigend geordnet, unter den Opus-
zahlen 100, 109 und 105 kurz nach 1850 erschienen. Sie sind bis auf den heutigen Tag nahezu Pflichtlektüre aller Klavierschüler und von ungebrochener Beliebtheit.
Das aus heutiger Sicht wichtigste Verdienst Friedrich Burgmüllers ist in seinen Bemühungen um den musikalischen Nachlass seines Bruders Norbert zu sehen. Schon bald nach dessen Tod versuchte er, der erhaltenen Manuskripte habhaft zu werden und sorgte - neben dem Kreis um den Düsseldorfer Verleger Beyer -  massgeblich für die Drucklegung der ersten Werke bei Hofmeister in Leipzig (1838-1844). Nach dem Tode der Mutter (1857) war er im Besitz der meisten Handschriften und unterstützte die Bemühungen der Düsseldorfer Freunde (Schauseil, Tausch, Beyrhoffer) um Veröffentlichung der Orchesterwerke und anderer Reliquien bei Kistner in Leipzig (1863-1865). Seine erhaltenen Briefe in dieser Angelegenheit zeigen ihn in einem menschlich sehr günstigen Licht. Er scheint sich zu jeder Zeit der exorbitanten künstlerischen Überlegenheit seines Bruders bewusst gewesen zu sein und erkannte diese offenbar neidlos an. Es besteht eine deutliche Parallele zu dem ungleichen Bruderpaar Franz und Ferdinand Schubert.
Ab etwa 1855 scheint sich Friedrich Burgmüller weitgehend ins Privatleben zurückgezogen zu haben und lebte meist auf seinem Sommersitz in Beaulieu, unweit von Fontainebleau, im Departement Corbeil-Essones. Hier verstarb er als Junggeselle am 13. Februar 1874. Sein Nachlass, der wichtige Aufschlüsse über die Familie liefern könnte, ist bis heute leider unauffindbar geblieben.
 


 

Friedrich Burgmüller als Komponist etwas anspruchsvollerer Werke
sei nun anhand einiger Beispiele vorgestellt:
 
 


 

Ferdinand Ries, ca. 1815
 

Durch Fürsprache des Komponisten, Klaviervirtuosen und Dirigenten Ferdinand Ries (1784-1838) konnte Friedrich Burgmüller sein Rondo op.1 im Jahre 1826 bei Peters in Leipzig veröffentlichen.
Es ist nicht nur durch die alternative Besetzung "für Pianoforte oder Harfe"  bemerkenswert,
sondern verrät auch Nähe zur Klaviersonate f-moll op.8 seines Bruders Norbert: das zweite
Thema in Friedrichs Rondo könnte Pate für das Seitenthema im Finale von Norberts Sonate
gestanden habe. Dies liesse die Widmung an den Bruder, der sich zur Entstehungszeit der
Sonate kompositorisch noch nicht in seichten Gewässern bewegte, erklären.

Friedrich Burgmüller: Rondo Es-dur op.1 
 
 

Paris, Tuilleries um 1840
 

Um ca. 1838 begann Friedrich Burgmüller mit der Herausgabe einiger Lieder, die
stilistisch ganz auf den Pariser Geschmack zugeschnitten sind und ausschliesslich
französische Texte verwenden. Der Cellovirtuose Friedrich Burgmüller fügte in einer
seiner besten Romanzen dem üblichen Klavier noch das Violoncello als Begleiter bei.

Friedrich Burgmüller: "Effie", Romance o. op. (1842)
 
 
 


 

Traum des Opiumrauchers aus "La Péri"
 

Am 17. Juli 1843 wurde das Ballett  "La Péri"  von Friedrich Burgmüller in Paris
uraufgeführt. Das Libretto verfasste Théophile Gautier, die Choreographie stammte
von Jean Coralli. Die Protagonistin war die bereits mit "Giselle" hervorgetretene
Star-Primaballerina Carlotta Grisi.

Friedrich Burgmüller: "La Péri"  (Ausschnitt) 
 
 
 


 
 

Heute wieder einiger Beliebtheit erfreuen sich die "Trois Nocturnes" , die Friedrich
Burgmüller in verschiedenen Besetzungen erscheinen liess. Durchgesetzt hat sich
heute die Fassung für Violoncello und Guitarre, die als Neudruck wie auch in einer
Anzahl von Einspielungen zugänglich ist.

Friedrich Burgmüller: Nocturne Nr. 3 
 
 


 

Den Gipfelpunkt seiner brillanten Klaviermusik erreichte Friedrich Burgmüller
wohl mit seinen "Rêvèries fantastiques"  op.41, die er Franz Liszt zueignete.
Selbst Robert Schumann fand an diesem Werk genug zu loben und stellte
sogleich die Verbindung zum Namen Norbert Burgmüller her. Diese Kritik
dürfte Friedrich Burgmüller in den Ohren geklungen haben, führte jedoch
nicht zu einem stilistischen Kurswechsel seines kompositiorischen Schaffens.
 
 


 

Friedrich Burgmüller: "Rêvèries fantastiques"  op.41 
 


 
 

Die bislang an dieser Stelle dargebotenen und weitere
  Tonbeispiele von Friedrich Burgmüller
     befinden sich nun in der Rubrik Pariser Salon .


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