FREUNDE
 
 


 

  Christian Dietrich Grabbe (1801-1836)


        Neben dem Einsatz von Robert Schumann, war es wesentlich die Freundschaft mit Grabbe, die Norbert
        Burgmüller im 19. Jahrhundert zu Bekanntheit verholfen hat. Über die angeblichen Zechgelage der beiden
        Außenseiter wurde in der Regenbogenpresse der Zeit gern und ausführlich berichtet. Und bis heute ist
        Burgmüller für manchen nur der Freund des Betrunkenen Shakespeare (Heine) geblieben. Über die
        wahren Umstände der Beziehung zwischen Grabbe und Burgmüller herrscht jedoch nach wie vor keine
        Klarheit. Manche Autoren halten an den sensationslüsternen Darstellungen der Zeitgenossen fest, an-
        dere, als müssten sie Burgmüller nachträglich von einer Art schlechten Umganges rein waschen, halten
        das Verhältnis nur für eine lose und oberflächliche Bekanntschaft, die den Begriff Freundschaft verbietet.
        Die Wahrheit dürfte wie so oft in der Mitte liegen. Es kann kein Zweifel bestehen, das Burgmüller - mit
        Ausnahme von vielleicht Spohr und Mendelssohn - mit keinem Charakterkopf vom Range Grabbes, sonst
        engere Beziehungen pflegte. Und es ist zu Bedauern, dass die beiden erst 1835 einander näher traten,
        als der schöpferische Zenit Grabbes längst überschritten war. Zwar hat er auch noch in Düsseldorf
        Werke fertig gestellt, die aber an seine besten Schöpfungen nicht mehr heran reichten. Ein Beispiel ist
        Aschenbrödel.

 


        Wäre doch Grabbe in der Lage gewesen, seinem Freund ein Libretto zu liefern, das sich nicht, wie
        der tatsächlich für Burgmüller geschriebene Cid , zu damaliger Zeit als unkomponierbar erwiesen
        hätte! Ein lyrisch-phantastisches Sujet auf dem Niveau von Scherz, Satire, Ironie und tiefere
        Bedeutung , hätte Burgmüller unter anderen Umständen zu einem weiteren Meisterwerk inspirieren
        können. So haben wir von Grabbe nur jene Persiflage von sehr zweifelhaftem Wert, dazu den
        eindringlichen, aber leider nicht von sonderlicher Kenntnis Grabbes in Bezug auf Burgmüllers Musik,
        zeugenden Nachruf (vgl. Erinnerungen).



 
 


 

        Wolfgang Müller von Königswinter (1816-1873)

Der wichtigste Biograph Norbert Burgmüllers, der Arzt und Gelegenheitsdichter Wolfgang Müller
von Königswinter,wurde als Wilhelm Müller geboren. Als er sich gedrängt fühlte, einen kleinen Band von Gedichten zu publizieren, wählte er den obigen Künstlernamen, um Verwechslungen mit dem Autor der Winterreise zu verhindern. Es war ein Unglück für Burgmüller, mit einem Hobbydichter als engem Freund gesegnet gewesen zu sein (vgl. Lyrik). Das für Burgmüller geschriebene Libretto Der Liebesring von Müller, verblüfft noch heute durch äußerste Harmlosigkeit - bei geschraubten Versen. Folgerichtig hat Burgmüller lediglich mit dem Frühlingslied  eine halbwegs brauchbare Vorlage von Müller vertont und dem Freunde auch kein Werk gewidmet. Dieser musste sich nach Burgmüllers Tod erst von Dritten Manuskripte des Komponisten beschaffen. Wenngleich die Freundschaft zwischen Bürgmüller und Müller wohl mehr von Letzterem ausging, so sind doch Müllers Erinnerungen an Norbert Burgmüller , die von Schumann 1840 in der NZfM veröffentlicht wurden, bis heute eine wichtige Quelle geblieben, die allerdings auch mit Vorsicht genossen werden sollte. In weit höherem Masse gilt dies noch für die 1861 publizierten Erzählungen eines Rheinischen Chronisten, "Karl Immermann und sein Kreis", in denen Burgmüller eine Hauptrolle zugedacht ist.
 



        Schon zu Lebzeiten Müllers wurde dieser Zwitter aus Memoiren und freier Fantasie scharf kritisiert.
        Es verbietet sich heute, diese Schrift als Quelle zur Biographie Burgmüllers heranzuziehen. Neben
        dem in der Lyrik-Rubrik wiedergegebenen Gedicht, verfasste Müller kurz nach Burgmüllers Ableben
        noch den Gedichtzyklus Todtenblumen für Norbert Burgmüller  und in späteren Jahren die Novelle
        Ein Lied. Als zweifellose Verdienste Müllers sind allerdings seine Versuche zu betrachten, für die
        Werke Burgmüllers bei Verlegern und Interpreten eingetreten zu sein. Möglicherweise beeinflusste
        Müller auch seinen Freund und Patienten Robert Schumann, sich 1851 der Ergänzung der 2. Sinfonie
        Burgmüllers zu widmen. 1861 scheint er auf Vermittlung Clara Schumanns auch den Versuch gemacht
        zu haben, Joseph Joachim für die Sinfonien von Burgmüller zu interessieren. Über den möglichen Erfolg
        solcher Bemühungen ist leider kein Quellenmaterial erhalten, während wir wissen, daß sich Clara
        Schumann nicht zur Aufführung des Klavierkonzertes entscheiden konnte, das ihr Müller ans Herz
        gelegt hatte.
 

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