MUSIKERKOLLEGEN
KASSEL
Friedrich
Curschmann (1805-1841)
Friedrich Curschmann, gebürtig aus Berlin, war zur gleichen Zeit wie Norbert Burgmüller in
Kassel tätig, allerdings war der einige Jahre ältere Musiker, der zunächst ein Studium als
Jurist begonnen hatte, 1826 bereits am Ende seiner Ausbildung angelangt. Er blieb jedoch
noch in Kassel, erteilte Unterricht und führte dort 1828 seinen Operneinakter Abdul und
Erinnieh mit gutem Erfolg auf. 1829 kehrte Curschmann nach Berlin zurück und lebte fortan,
befreit von materiellen Sorgen und glücklich verheiratet, seinem Schaffen. Burgmüller besuchte
ihn dort noch im gleichen Jahre. Die sehr populären Lieder dieses eleganten Komponisten
gerieten mit wenigen Ausnahmen bald nach seinem frühen Tode in Vergessenheit. Zu
Lebzeiten überschätzt, werden sie heute zu Unrecht ganz ignoriert. Eine CD-Aufnahme mit
einer Auswahl aus seinem Liedschaffen ist in Vorbereitung. Die folgende Abbildung zeigt
Curschmanns Handschrift in einem Brief an seinen Berliner Verleger Trautwein.
Friedrich Curschmann:
Gottfried
Herrmann (1808-1878)
Der gebürtige Thüringer war Mitschüler Norbert Burgmüllers bei Spohr und Hauptmann. Er entwickelte sich zu einem hervorragenden Geiger und namhaften Dirigenten. Er war einige Jahre tätig in Sondershausen, entfaltete aber seine hauptsächliche Tätigkeit überJahrzehnte als Musikdirektor in Lübeck. Sein kompositiorisches Schaffen fand zu Lebzeiten wenig Anklang. Erst nach seinem Tode wurde sein Hauptwerk, die Sinfonia patetica, wieder aufgeführt, ohne sich indessen durchsetzen zu können. Erst in unseren Tagen gibt es wieder Bestrebungen, die Werke Gottfried Herrmanns neu zu erproben.
Gottfried Herrmann:
Frederik
Pacius (1809-1891)
Aus Hamburg stammend und dort als Friedrich Pacius geboren, vervollständigt der spätere
Vater der finnischen Musik den Kreis der namhafteren Mitschüler Norbert Burgmüllers (von
denen noch der Hamburger Georg Radelfahr und der Kölner Franz Hartmann zu erwähnen
wären). Von Spohr und Hauptmann zum vorzüglichen Geiger, Dirigenten und Pädagogen
geformt, bestimmte Pacius bis in die Epoche von Sibelius hinein in leitender Position das
finnische Musikleben. Er ist der Komponist der ersten finnischen Nationaloper König Karls
Jagd, schrieb ferner gelungene Lieder, auch Kammermusik und Orchesterwerke. Eine
wissenschaftliche Erforschung seines Schaffens steckt auch in Finnland noch in den
Kinderschuhen.
Frederik Pacius:
DÜSSELDORF
Felix
Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847)
Die für Norbert Burgmüller wichtigste und künstlerisch fruchtbarste Freundschaft war
sicherlich diejenige mit Felix Mendelssohn, der 1833 als Städtischer Musikdirektor nach
Düsseldorf verpflichtet wurde. Mendelssohn übte einen klärenden und beruhigenden Einfluss
auf Burgmüller auf, führte seine Werke in Düsseldorfer Konzerten auf, brachte 1838 im
Leipziger Gewandhaus die 1. Sinfonie Burgmüllers zu einer viel beachteten Aufführung und
widmete seinem Andenken den Trauermarsch a-moll op.103 zur Beisetzung. Dieses Werk
erschien im von Rieter-Biedermann herausgegebenen Nachlass und erlebte in der Folgezeit
Neudrucke in verschiedenen Bearbeitungen (so für Soloklavier, Klavier zu vier Händen, Violine
und Klavier sowie für Orgel; ungedruckt auch für Streichorchester).
Felix Mendelssohn-Bartholdy:
Über die Entstehung dieses Marsches heisst es in den Erinnerungsblättern der Familie Klotz:
Als Burgmüller gestorben war, kam Mendelssohn, wie früher so oft, zum Nachmittagscaffee in
das Klotz'sche Haus. Natürlich drehte sich die Unterhaltung ausschliesslich um den
dahingeschiedenen gemeinsamen Freund. Endlich sprang Mendelssohn auf, erbat sich
Notenpapier und an des Capellmeisters Schreibpult componirte er einen Trauermarsch für
das Begräbniss des Freundes (op.103, A-Moll). Das war im Hause Bastionstrasse Nr.21. Das
Manuscript dedizirte Mendelssohn Klotz, der es stets in hohen Ehren hielt. Später kam das
Manuscript der Familie abhanden. Es befindet sich heute im Mendelssohn-Archiv der Berliner
Staatsbibliothek.
Für sein Oratorium "Paulus" komponierte Mendelssohn noch kurz vor der Düsseldorfer
Uraufführung nachträglich eine Tenorcavatine auf den Text "Sei getreu bis in den Tod", die
durchaus auch als Reflex auf Burgmüllers Tod gedeutet werden darf.
Felix Mendelssohn-Bartholdy:
Carl
Klotz (1802-1874)
Carl Klotz war als Militärkapellmeister in Düsseldorf stationiert und war ein auch von
Mendelssohn hochgeschätzter Klarinetten-Virtuose und Dirigent. Er führte wiederholt
Werke von Burgmüller in Düsseldorf auf, besonders die Bruchstücke aus dessen Oper Dionys.
Burgmüller revanchierte sich 1834 mit der Widmung seines Duo für Klarinette und Klavier
Es-dur op.15, dass erst 1865 gedruckt wurde und heute das bekannteste Werk Burgmüllers ist:
ein würdiges Seitenstück zu den Klarinettenwerken von Weber, Schumann und Brahms.
Wilhelm
Steifensand (1812-1882)
Der Pianist und Komponist Wilhelm Steifensand wurde 1812 in Kaster im Erftkreis geboren.
Gemeinsam mit seinem älteren Bruder Xaver, einem bekannten Kupferstecher, kam er 1832
nach Düsseldorf, war Schüler von Burgmüller und dann auch von Mendelssohn. Er übersiedelte
um 1844 nach Berlin, wo er erfolgreiche Kammermusiksoireen abhielt, sich verheiratete und
die meisten seiner Werke (vorwiegend Klavierstücke und Lieder in gediegenem und nicht
unoriginellem Stil) publizierte. 1856 zog er sich ins Privatleben auf das Gut seiner Frau nach
Stolp in Pommern zurück. Steifensand gehörte zum engsten Freundeskreis Burgmüllers, war
Widmungsträger der Rhapsodie h-moll op.13 und leistete dem verstorbenen Freund einen letzten
Ehrendienst, indem er 1836 dessen Leiche aus Aachen holte, um die Beisetzung in Düsseldorf
durchführen zu lassen. Beim Gedenkkonzert für Burgmüller im April 1837 in Düsseldorf spielte
Steifensand das Klavierkonzert op.1 und begleitete die Uraufführung mehrerer Lieder.
Wilhelm Steifensand:
Julius
Rietz (1812-1877)
Der Berliner Julius Rietz war ein Jugendfreund Mendelssohns und wurde von diesem 1835 als
sein Stellvertreter nach Düsseldorf engagiert. Nach dem baldigen Weggang Mendelssohns nach
Leipzig wurde Rietz bis 1847 Städtsicher Musikdirektor, dann Leiter der Gewandhauskonzerte
und Lehrer am Leipziger Konservatorium. 1860 wechselte er als Hofkapellmeister nach
Dresden. 1836 dirigierte Rietz anlässlich des Totenamtes für Burgmüller das c-moll-Requiem
von Cherubini und leitete im April 1837 das Gedenkkonzert für Burgmüller, indem u.a. erstmals
die beiden vollendeten Sätze der 2. Sinfonie zur Aufführung kamen. Bei weiteren zwei Gelegen-
heiten dirigierte Rietz in Düsseldorf noch Werke von Norbert Burgmüller. Neben seiner
Tätigkeit als Dirigent trat Rietz häufig als Cellospieler auf, so auch in Recitals gemeinsam mit
Wilhelm Steifensand. Sein feinsinniges kompositiorisches Schaffen hat bis heute leider noch
keine angemessene Berücksichtigung gefunden.
Julius Rietz:
Hubert
Ferdinand Kufferath (1818-1896)
Hubert Ferdinand Kufferath war Mitglied einer aus Mülheim an der Ruhr stammenden
Musikerfamilie. Er war Schüler seines älteren Bruders Johann Hermann und kam 1835 für
kurze Zeit als Schüler Mendelssohns nach Düsseldorf. Dabei muss er auch mit Burgmüller
in Kontakt gekommen sein, wenn auch heute direkte Zeugnisse fehlen. Ab 1842 war Kuf-
ferath wieder bei Mendelssohn als Schüler, nun in Leipzig. Sein Lehrer hielt ihn für das
bedeutendste Talent unter seinen Zöglingen bis 1843. Nach einigen Jahren in Köln fand
Kufferath 1850 in Brüssel seinen endgültigen Wirkungskreis und bestimmte das Musikleben
der Stadt als Pianist, Dirigent, Pädagoge und Komponist. Zu seinen Schülern zählten Edgar
Tinel und Auguste de Boeck. Schon frühzeitig bemühte sich Kufferath um das Schaffen von
Norbert Burgmüller und sammelte dessen Autographe und Abschriften seiner Werke. Die
in der Galerie abgebildete Stimmenabschrift des 4. Streichquartettes von Burgmüller,
stammt aus seinem Besitz; in Washington werden zwei Burgmüller-Autographen aus seinem
Nachlass aufbewahrt. Im langsamen Satz seines Klavierquartettes F-dur op.12 zitiert
Kufferath das Burgmüller-Lied Fischerknabe. Sein kompositorisches Schaffen, das einen
originellen und gewandten Könner zeigt, ist leider vollständig in Vergessenheit geraten.
Hubert Ferdinand Kufferath:
Copyright by Klaus Zehnder-Tischendorf 2001 - 2002