STEPHEN HELLER (1813-1888)
In memoriam Gerhard Puchelt
BIOGRAPHIE
Stephen
Heller wurde am 15. Mai 1813 in Pest geboren und wurde als 10jähriger
Schüler von Anton Halm in
Wien,
der ihn Beethoven und Schubert vorstellte. 1826 erste Auftritte als Pianist.
Eine kraftraubende Konzert-
tournee
mit dem Vater ab 1828 führte 1830 zu Hellers Zusammenbruch in Augsburg,
wo er von der Familie
Fugger
gefördert wurde und bis 1838 blieb. Hier eignete er sich eine geregelte
und umfassende Bildung an.
Als Schüler
Kalkbrenners ging er 1838 nach Paris und blieb dort bis an sein Lebensende.
Hier hielt er sich, der
in den
Salons und in Konzerten nicht Fuss fassen konnte, durch Unterricht und
verhasste Modearrangements
mühsam
über Wasser. Erst allmählich drangen seine Werke durch und ab
ca. 1850 hatte er ein halbwegs regel-
mässiges
Einkommen aus seinen Kompositionen. Heller war besonders mit Hiller, Charles
Hallé, Heinrich Wil-
helm Ernst
und Berlioz befreundet. Mit Schumann führte er einen langjährigen
Briefwechsel und war Mitarbeiter
der Neuen
Zeitschrift für Musik. Meist zurückgezogen lebend und
durch Erblindung im Alter wieder in materielle
Not geraten,
starb Heller am 14. Januar 1888 in Paris.
WERKVERZEICHNIS (im Überblick)
158 Werke
mit Opuszahlen, einige o. op. Fast ausschlieslich für Klavier mit
Ausnahme von 7 Liedern und einigen
Stücken
für Violine und Klavier (gemeinsam mit H.W.Ernst). Zahlreiche poetische
Zyklen und Einzelstücke, Tänze,
Studienwerke,
4 Sonaten, Variationen, Capricen und Improvisationen über fremde Themen.
LITERATUR
Barbedette,
H.: St. Heller. Paris 1876. (auch als Neudruck in Englisch, Detroit 1974,
erhältlich)
Schütz,
R.; St. Heller, ein Künstlerleben. Leipzig 1911.
Sietz,
R. : Aus Ferdinand Hillers Briefwechsel. 7 Bde. Köln 1958-1970.
Puchelt,G.:
Verlorene Klänge. Berlin 1969.
Eigeldinger,
J.J.: Stephen Heller. Lettres d'un musicien romantique à Paris.
Paris 1981.
DISKOGRAPHIE
Spaziergänge
eines Einsamen op.78 und 101; Im Walde op.128 und 136 / Marc
Pantillon / Claves CD 50-9805
Beethoven-Variationen
op.130; 24 Präludien op.81 / Andreas Meyer-Herrmann / FSM FCD 97 747
3 Ständchen
op.131; Reise um mein Zimmer op.140; Variationen über Schumanns
Warum op.142; 7 Lieder
op.120;
2 Tarantellas op.85 / idem / CPO 999 574-2
Caprice
brillant über Schuberts Forelle
op.33; Beethoven-Variationen
op.130; La Chasse op.29; Im Walde op.86;
3
Präludien; Freischützstudien
op.127; Tarantella op.85
Nr.2 / Catherine Joly / Accord 201592
Spaziergänge
eines Einsamen op.78;
Wanderstunden op.80; In Wald und Flur
op.89 / Daniel Blumenthal /
Etcetera
KTC 1116
Sonatine
D-dur op.147 / idem / Etcetera KTC 2022
Reise
um mein Zimmer op.140; Präludium op.81 Nr.15 / Stéphane
Reymond / Cantando 9208
Präludien
op.81 und 150 / Jean Martin / Marco Polo 8.223434
Blumen-
Frucht- und Dornenstücke op.82; Préludes pour M'lle
Lili op.119 / idem / Marco Polo 8.223435
Nr. 2
und 5 aus Reise um mein Zimmer op.140; Walzer Des-dur op.93 Nr.1
/ Clemens Kröger / Thorofon CTH 2186
2 Lieder
/ Ulf Bästlein, Bass-Bariton; Stefan Laux, Klavier / Audite 97.423
Paraphrasen über Schubert-Lieder
op. 33, 34 und o. op. / Elena Margolina, Klavier / ARS FCD 368 400
TONBEISPIELE
Heller,
Generationsgenosse von Schumann, Mendelssohn, Liszt, Chopin und Alkan,
entwickelte im Laufe
seines
Lebens einen sehr persönlichen, poetischen Klavierstil in Vereinfachung
der romantischen Klavier-
technik
seiner Altersgenossen. Sein Bestes gab er in seinen Zyklen von Charakterstücken
(meist in Form
von Naturschilderungen
oder als Umsetzung literarischer Vorlagen), seinen Studienwerken und einer
Viel-
zahl von
Tänzen. Schliesslich glückte ihm eine Reihe von gediegenen Beschwörungen
seiner grossen
Vorbilder
in inspirierten Variationen, Improvisationen und Capricen über Motive
von Beethoven, Weber,
Schubert,
Mendelssohn und Schumann, die zu den beglückendsten Erscheinungen
des weiten Feldes
der Musik
über Musik gehören. Sein unbestreitbarer Einfluss auf Komponisten
wie Saint-Saens, Fauré
und Debussy
ist bis heute kaum untersucht worden.
Scherzo
aus der Sonate Nr. 1 op.9
3. Satz
aus der Sonate Nr. 3 op.88
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