ADOLF HENSELT
(1814-1889)
BIOGRAPHIE
Adolf
Henselt wurde am 9. Mai 1814 in Schwabach (Mittelfranken) geboren. 1817
übersiedelte die Famile nach
München, wo der Knabe den ersten Musikunterricht erhielt, ehe er mit
einem königlichen Stipendium ab 1832
bei Hummel in Weimar und Sechter in Wien seine Ausbildung vervollständigte.
Eine Reisekarriere als Klavier-
virtuose führte Henselt durch ganz Deutschland und Osteuropa. In St.
Petersburg wurde er 1838 nach einem
rauschenden Erfolg zum kaiserlichen Hofpianisten ernannt und nahm dort
seinen Wohnsitz, nachdem er seine
Virtuosentätigkleit aufgegeben hatte. Er wirkte fortan als Pädagoge
und Generalmusikinspektor der kaiserlichen
Töchtererziehungsheime des Zarenreiches. Sein wichtigster Schüler
war Nikolay Swerew, der die wesentlich von
Henselt begründete und bis auf den heutigen Tag bestehende Tradition
russischer Klaviervirtuosität an seine
eigenen Schüler wie Rachmaninow, Skrjabin und Lhevinne weitergab.
Während eines Kuraufenthaltes in Warm-
brunn in Schlesien starb Henselt am 10. Oktober 1889. Obwohl von Schumann
begeistert gepriesen und mit
Liszt und anderen Kollegen auf vertrautem Fuss stehend, geriet Henselt
schon zu Lebzeiten als Komponist in
Vergesenheit. Der exorbitante technische Anspruch seines schmalen Klavierwerkes
verhinderte zu allen Zeiten
die weite Verbreitung seiner Werke.
WERKVERZEICHNIS (im Überblick)
Orchesterwerke:
Klavierkonzert
f-moll op.16; Variationen über ein Thema von Meyerbeer für Klavier
und Orchester op.11
Kammer-
und Vokalmusik:
Klaviertrio
a-moll op.24; Duo für Horn und Klavier h-moll op.14; Morgenständchen
für Chor op.39; wenige Lieder
Klaviermusik:
Je
12 Konzertetüden op. 2 und op.5; 10 Stücke op.13; Donizetti-Variationen
op.1; zahlreiche Einzelstücke mit
und o.
op., darunter 4 Impromptus, Walzer, Nocturnes, Ballade, Rondo serioso,
Rhapsodie; zahlreiche Studien
und Bearbeitungen;
Ausgaben von Werken Webers u.a. Komponisten.
LITERATUR
La
Mara: Adolf Henselt. Separatdruck aus Musikalische Studienköpfe
. Leipzig 1919.
DISKOGRAPHIE
Klavierkonzert
f-moll op.16; Variationen op.11 / Marc-André Hamelin; BBC Scottish
Symphony Orchestra;
Martyn
Brabbins / Hyperion CDA 66717
Klavierkonzert
f-moll op.16 / Michael Ponti, Klavier; Philharmonia Hungarica; Othmar Maga
/ Turnabout 1157172
idem /
Michael Ponti, Klavier; Vogtland-Orch.; Paul Theissen / Dante PSG 9767
idem /
Raymond Lewenthal, Klavier; London Symphony Orchestra; Charles Mackerras
/ Elan CD 82284
Klaviertrio
a-moll op.24; Duo op.14; Variationen op.1; 2 Nocturnes op.6; Berceuse op.13
Nr.1/ Claudius Tanski,
Klavier;
Benjamin Schmid,Violine; Clemens Hagen, Violoncello; Vincent Lévesque,
Horn/ MDG 312 1022-2
8 Etüden
aus op.2, 12 Etüden op.5 / Rüdiger Steinfatt, Klavier / Dontrie
D0408
Variationen
op.1; Scherzo op.9; Toccatina op.25; Ballade op.31; Valse Mélancolique
op. 36; Grande Valse op.30;
Vier Impromptus;
Pensée fugitive op.8; Rondo serioso o. op. / Rüdiger Steinfatt,
Klavier / Dontrie D0405
Einzelne
Klavierstücke finden sich in z. T. historischen Sammelprogrammen.
TONBEISPIELE
Falls es einen Deutschen Chopin geben sollte, so wäre
Henselt dafür die denkbare Wahl. Wie sein grosser und
weit bedeutenderer,
polnischer Zeitgenosse, war Henselt fast ausschliesslich dem Klavier zugewandt,
schrieb
hochvirtuose
Werke meist kleineren Umfangs, stand der besseren Salonkultur nicht fern
und war ein überaus
schwieriger
Charakter. Ein Musikologe brachte es einmal auf folgenden Nenner: Henselt
war ein Pianist, der
nicht
öffentlich spielte; ein Lehrer, der kaum namhafte Schüler hatte;
ein Komponist, der kaum etwas veröffent-
lichte.
In der Tat trat Henselt nur wenige Jahre vor das Publikum und hatte
dennoch den legendären Ruf, einer
der bedeutendsten
Virtuosen seiner Zeit zu sein. Am Unterrichten lag ihm scheinbar wenig,
es sei denn es han-
delte
sich um besonders begabte Eleven. Und seine wenigen erschienenen Werke
kamen fast alle vor 1850 heraus.
Unter
diesen Stücken finden sich einige der kompliziertesten Passagen der
gesamten Literatur, mit dem
Konzert
op.16 und den Etüden an der Spitze, die sich durch eine extreme Weitgriffigkeit
auszeichnen.
Finale
aus dem Klavierkonzert f-moll op.16
TONDICHTER Copyright by Klaus Zehnder-Tischendorf 2002 Zurück zur Inhaltsübersicht