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HENRY LITOLFF (1818-1891)
Dem Andenken meines
verstorbenen Freundes Rudolf Hagemann gewidmet,
dessen umfangreiche Litolff-Sammlung die
Stadtbibliothek Herne bewahrt.
BIOGRAPHIE
Henry Litolff wurde am 6.
Februar 1819 in London geboren. Das pianistische Wunderkind wurde von Moscheles
ausgebildet und trat früh als
Pianist auf. Ab 1840 führte ihn eine schillernde Laufbahn als Pianist, Komponist,
Dirigent und Verleger durch halb
Europa. Wichtige Stationen waren Paris, London, Leipzig, Dresden, Braun-
schweig, Hamburg, Amsterdam und
schliesslich wieder Paris. Litolff war viermal verheiratet und eng befreundet
mit Liszt, Berlioz, Meyerbeer,
Bülow, Saint-Saens und César Franck. Seine romanhafte, von Hypochondrie und
Misanthropie im Zeichen einer
manisch-depressiven Veranlagung gekennzeichnete Biographie, sowie sein Ruhm
als Verleger, haben bis heute seine
wichtigsten kompositiorischen Werke in den Hintergrund gedrängt. Litolff
starb am 6. August 1891 in Paris.
WERKVERZEICHNIS (im Überblick)
13 Opern und Operetten; Faust-Szenen op.103; rund 30 Lieder.
5 Sinfonische Konzerte für
Klavier und Orchester (Nr.1 verschollen); Violinkonzert op.42; 2 Konzertstücke
für Violine und Orchester; 7
Konzertouvertüren; Trauermarsch für Meyerbeer.
Streichquartett op.60; 3 Klaviertrios op.47, 56 und 100; einige Duos für Violine und Klavier.
Zahlreiche
Klavierwerke zu zwei Händen, darunter neben einer Fülle von Virtuosen- und Salonstücken
vor
allem zu nennen: 2 Nocturnes op.30;
Souvenirs d'Harzbourg op.43; Lieder ohne Worte op. 51 und 83;
Elegie op.64; Arabesken op. 65;
Ballade op.73; Impromptus op.98; Scherzo op.115; Trilby, Impromptu o. op.
LITERATUR
Blair, T.M.: Henry
Litolff. His life and Piano Music. Ann Arbor 1968.
Hagemann, R.: Henry Litolff.
Herne 1981.
DISKOGRAPHIE
Klavierkonzerte Nr. 2 und 4 /
Peter Donohoe, Klavier; Bournemouth Symphony Orchestra; Andrew Litton /
Hyperion CDA 66889
Klavierkonzerte Nr. 3 und 5 / idem;
BBC Scottish Symphony Orchestra; idem / Hyperion CDA 67210
Klavierkonzert Nr. 4; Klaviertrio
d-moll op.47 / Gerald Robbins, Klavier; Orchester der Oper von Monte
Carlo; Edouard van Remoortel /
Mirecourt-Trio / Genesis GCD 101
Klavierkonzert Nr.3 / Michael
Ponti, KLavier; Berliner Symphoniker; Volker Schmidt-Gertenbach /
Turnabout 1157122
Das berühmte Scherzo aus dem 4. Klavierkonzert ist in
zahlreichen Aufnahmen erhältlich.
TONBEISPIELE
Henry Litolff und seine
Reputation leiden bis heute unter einer Vielzahl von hochvirtuosen und teilweise
flachen Virtuosenstücken aus
seiner Feder. Bedauerlicherweise sind dabei seine anspruchsvolleren Werke
für Orchester sowie die wertvolle
Kammermusik, von den Bühnenwerken gar nicht zu reden, völlig in Ver-
gessenheit geraten. Es ist
verblüffend, mit welcher Kraft und Inspiration in diesen Kompositionen Ein-
flüsse von Beethoven, Liszt,
Mendelssohn und Meyerbeer zu einer persönlichen Sprache umgeschmolzen
werden. Die von Brahms, der in
seiner Jugend von Litolff in Hamburg gefördert wurde, und zahlreichen
anderen Komponisten übernommene
Aufnahme eines Scherzo-Satzes in das klassische Konzertschema,
stellt eine historische Leistung
Litolffs dar, die bis heute kaum gewürdigt wurde.
Scherzo aus dem Sinfonischen Konzert Nr. 3 op.45
Klaviertrio d-moll op.47
(Auszug)
Ouvertüre Die
Girondisten op.80
1. Satz aus dem Sinfonischen
Konzert Nr.4 op.102
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