TONDICHTER Copyright by Klaus Zehnder-Tischendorf 2002 Zurück zur Inhaltsübersicht
TILO MEDEK (*1940)
BIOGRAPHIE
Tilo Medek
wurde am 22. Januar 1940 in Jena als Sohn eines Komponisten und Kammermusikers geboren.
Erst
als 10jähriger erhielt er von dem
aus der Gefangenschaft heimgekehrten Vater regelmässigen Musikunterricht.
1959 ging er als Student der
Humboldt-Universität (Musikwissenschaft, Philosophie, Gartenbauarchitektur) nach
Berlin. Daneben war er
Kompositionsschüler von Rudolf Wagner-Régeny an der Berliner Musikhochschule. Wich-
tige Impulse boten die Darmstädter
Ferienkurse für Neue Musik. Ab Mitte der 60er Jahre machte sich Medek inter-
national einen Namen als Komponist,
musste aber seit dem Prager Frühling zunehmende Behinderungen des
Staatsapparates hinnehmen, die 1977
in seiner Ausbürgerung gipfelten. Seitdem hat sich Tilo Medek im Rheinland
angesiedelt und betreibt heute in
der Nähe von Remagen seinen eigenen Musikverlag. Eine Anzahl seiner Kompo-
sitionen fand den Weg ins
Repertoire und führte zu zahlreichen Ehrungen wie u.a. dem Studienaufenthalt in der
Villa Massimo (Deutsche Akademie
Rom) im Jahre 1994.
WERKVERZEICHNIS (im Überblick)
5 Opern und Singspiele; 1
Ballett; zahlreiche Chorwerke mit und ohne instrumentale Begleitung,
darunter Te Deum, Pfingstmusik
und mehrere Kantaten; über 100 Lieder und Chansons, zum Teil
zyklisch.
3 Sinfonien; zahlreiche Konzerte
für verschiedene Instrumente mit Orchester, darunter 3 Cellokonzerte;
viele Charakterstücke für
Orchester.
Zahlreiche Kammermusikwerke für
freie Ensemble-Besetzungen und traditionelle Ensembles, darunter
3 Streichquartette.
Etliche Werke für Klavier
zu zwei Händen und 2 Klaviere; viele Werke für Orgel, für Gitarre und für
Schlagzeug sowie 3 Werke für
elektronische Klänge .
Zahlreiche Bearbeitungen nach Werken von Bach, Beethoven, Liszt, Eisler, Wagner-Régeny, Weill u.a.
Schriften: Zahlreiche Aufsätze.
Eine detaillierte Übersicht ist auf der Homepage der Edition Tilo Medek einsehbar.
DISKOGRAPHIE
Die betrunkene Sonne,
Melodram für Kinder von Sarah Kirsch / Hermann Grosse-Jäger, Sprecher; Neue
Philharmonie Westfalen; Joachim
Harder / Sonarte 2987610002
Barlach-Motive, 5
Klavierstücke; Der Schwebende für Flöte solo; Fries der Lauschenden, 12
Orgelstücke /
Mario Alarcon, Klavier;
Andreas Knoop, Flöte; Paul-Gerhard Schumann,Orgel / Selected Concepts 9804
12 Kaminstücke; Auswahl aus
Tag- und Nachtstücke / Heinz Zarbock, Klavier / RicMed 01037
TONBEISPIELE
Tilo Medek hat ein Leben lang
den Beuf als freischaffender Komponist mit allen seinen Beschwernissen
aber auch Chancen gewählt. In
solch unabhängiger Position hat er ein umfangreiches und vielschichtiges
Werk geschaffen, in dem
verschiedenste Gattungen souverän gehandhabt werden. Aus einer bewahrenden
Grundhaltung heraus hat er nie den
Schritt zur Dodekaphonie und Serialität getan, sondern sieht seine
musikalischen Leitsterne eher in
Komponisten wie Schostakowitsch und Eisler. Sein persönlicher Begriff
von Avantgarde ist als
Unabhängigkeit von Modeströmungen zu verstehen und dokumentiert sich auch
in zahlreichen, geistvollen
Auseinandersetzungen mit dem grossen Erbe der abendländischen Musik. Mit
gelungenen Würfen wie etwa dem
vielgespielten Portrait eines Tango (1967) kam er als vorausschauender
Unzeitgemässer der Begeisterung um
Piazzola um viele Jahre zuvor.
Wasserzeichen, 1. Satz aus Sinfonie Nr.2 Rheinische (1986-1988)
Leipziger Kaffeebaum,
Nr.3 aus Lesarten an 2 Klavieren (1967-1971)
Unter Blumen eingesenkte
Kanonen, 2. Satz aus Sinfonie Nr.1 Eisenblätter (1983)
Klavierkonzert nach Kuhnaus
Historie "Der Streit zwischen David und Goliath" (Ausschnitt)
(1987)
Grosser Marsch für
Orchester (1974)
Sinnen und Trachten, 2.
Satz aus Sinfonie Nr.3 Sorbische (1994-1996)
Nr. 1-3 aus
Späte Bagatellen mit Frühen von Beethoven, für Orchester adaptiert (2001)
Erfurter
und Jenaer Kaminstück für Klavier (1968-1970)
TONDICHTER Copyright by Klaus Zehnder-Tischendorf 2002 Zurück zur Inhaltsübersicht