LEO ORNSTEIN (1892 ? - 2002)
BIOGRAPHIE
Leo Ornstein
wurde im Dezember 1892 oder 1893 in Krementschuk als Sohn eines Kantors
geboren. Als
pianistisches
Wunderkind wurde er in Kiew von Vladimir Puchalsky unterrichtet. Seine
rasanten Fortschritte
führten
ihn als 12jährigen ans Petersburger Konservatorium, wo Annette Essipoff
und Alexander Glasunow
ihn förderten.
1906 emigrierte die Familie wegen antisemitischer Progrome in die USA,
wo Ornstein am
Vorläufer
der Juilliardschool seinen letzten Schliff als Pianist und Komponist erhielt.
Von 1911 bis 1922
führte
er ein unstetes Reiseleben als Virtuose und wurde für sein futuristischen
Werke bekannt und be-
rüchtigt.
Er machte sich ebenfalls um die ersten Aufführungen vieler zeitgenössischer
Werke in den USA und
England
verdient. Kollegen wie Busoni und Grainger schätzten Ornstein als
führenden Komponisten der Zeit.
1922 zog
sich Ornstein vom Konzertieren zurück und wurde 1925 Leiter der Klavierklasse
der Philadelphia
Musical
Academy. 1940 gründete er am gleichen Ort gemeinsam mit seiner Frau
die Ornstein School of Music.
1953 zog
er sich auch von seiner Lehrtätigkeit zurück. Als Komponist war
Ornstein bis zu seiner achten Kla-
viersonate
aus dem Jahre 1990 tätig. Nach der anfänglichen Berühmtheit
und langen Jahren der Vergessen-
heit bahnte
sich seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts eine vermehrte Beschäftigung
mit seinen Werken
an, der
sein Tod am 24. Februar 2002 in Green Bay neue Impulse zu verleihen scheint.
Um seinen Nachlass
bemüht
sich vor allem sein Sohn Severo Ornstein, der anhand der Manuskripte die
Notentexte aller Werke
seines
Vaters digitalisiert hat und plant diese im Internet zugänglich zu
machen.
WERKVERZEICHNIS (im Überblick)
Orchesterwerke:
Klavierkonzert
(ca. 1925); Five Songs with Orchestra (ca. 1928); Lysistrata, Bühnenmusik
(ca. 1933); Nocturne
and
Dance of the Fates (1936)
Kammer-
und Vokalmusik:
Klavierquintett
(1927); 3 Streichquartette (?, 1930, 1976); Violinsonate (1914); 2 Cellosonaten
(1918, 1920);
zahlreiche
Duos für Bläser oder Streicher mit Klavier; ca. 20 Lieder und
Chöre (1915-1935?)
Klaviermusik:
Acht
Sonaten für Klavier (Nr. 1-3 verschollen): Nr.4 (1918); Nr. 5 Biography
in Sonata Form (1974); Nr. 6 (1981);
Nr. 7
(1988); Nr. 8 (1990).
Suiten
und Sammlungen: Stücke (1913); Pygmy Suite (1914); Suite russe (1914);
Nine Miniatures (1915); Poems
of 1917;
Six Water Colors (1921); Arabesques (1921); Memories from Childhood (1925);
Piano Sketch Book (1939);
Nine Vignettes
(1977); Journal (1987-88).
Charakterstücke:
Wild Men's Dance (1913); Three Moods (1914); Impressions
of Notre Dame (1914); À la Chinoise
(1917);
Nocturne (1922); Prélude tragique (1924); A Long Remembered Sorrow
(1964); A Morning in the Woods
(1971);
Solitude (1978); A Rêverie (1979); The Deserted Garden (1982); zahlreiche
Tänze, Fantasiestücke, Legends,
Metaphors,
Bagatellen.
LITERATUR
Leo
Ornstein. In: Vechten,C. van: Music and Bad Manners. New York 1916.
Martens,F.H.: Leo Ornstein: The Man, His Ideas, His Works. New York 1918
(Repr. 1975).
Zahlreiche Aufsätze in Fachzeitschriften; zwei grössere Studien
sind in Vorbereitung.
DISKOGRAPHIE
Klavierquintett;
Streichquartett Nr.3 / Janice Weber, Klavier; Lydian String Quartet / New
World Records 80509-2
Violinsonate
/ Gregory Fulkerson, Violine; Alan Feinberg, Klavier / New World Records
80313-2
Cellosonate
Nr.1 / Yehuda Hanani, Violoncello; Michelle Levin, Klavier / Koch 3-7070-2H1
Klaviersonate
Nr. 4; Arabesques op.42 / Martha Anne Verbit, Klavier / Albany Troy 070
Klaviersonaten Nr. 4 und
7; 6 Ausgewählte Klavierstücke / Janice Weber, Klavier /
Naxos 8.559104
Klaviersonate Nr.8; Poems
op.41; Arabesques op.42; 4 Ausgewählte Klavierstücke / Marc-André
Hamelin, Klavier / Hyperion CDA 67320
Einzelne
Klavierstücke aus der frühen Schaffensphase liegen in verscheidenen
Einspielungen vor.
TONBEISPIELE
Für
die meisten Interpreten ist Ornstein bis heute der Komponist von teilweise
als Kuriosum betrachteten,
ultramodernen
Klavierwerken aus den Jahren des ersten Weltkrieges. Dabei entwickelte
er in späteren Jahren
eine sehr
persönliche und vielschichtige kompositorische Sprache, die polytonale
Elemente mit traditionellen
Formulierungen
verbindet und vielfach berückende Lyrismen neben höchster pianistischer
Virtuosität verströmt.
Meisterwerke
wie das Klavierkonzert und das Klavierquintett markieren eine Phase der
Klärung in den 20er
Jahren,
die mit wachsender Komplexität und Originalität schliesslich
in die reifen Spätwerke von 1970 - 1990
mündet.
Vor allem für die Pianisten hält sein Werk noch eine Fülle
ungehobener Schätze von konzentriert
gearbeiteten
Miniaturen bis zu grossformatigen Sonaten bereit.
Three
Moods für Klavier (1914)
3.
Satz: Lento, aus der Klaviersonate Nr.4 (1918)
2. Satz:
Lamentoso, aus dem Klavierquintett (1927)
A Morning
in the Woods für Klavier (1971)
1. Satz:
Youth - Vigor and Passion, aus der Klaviersonate Nr.5 (1974)
1. Satz:
Moderato con moto, aus dem Streichquartett Nr.3 (1976)

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